"Durchblick in kniffliger Mission"

KRIENS Das KMU MONTALPINA überwacht rund um die Uhr ganze Maschinenparks. Auch in der Zentralschweiz – ein Geschäft mit viel Potenzial.
Rainer Rickenbach
Neue LZ vom 4.10.2012

«Der Industriesektor wächst in der Schweiz nicht mehr.»
Urs Stalder, CEO von MONTALPINA


Dem Laien erschliesst sich auf den ersten Blick nicht, was es mit den Punkten und Linien auf dem PC-Bildschirm auf sich hat. Die drei Mitarbeiter der Abteilung Technik und Service des Krienser KMU MONTALPINA hingegen suchen das Gewirr mit der Konzentration von Routiniers nach allfälligen Veränderungen ab. Bei Veränderungen sind die drei gefordert, dann zeigt ein Sensor Fehler oder Mängel bei einer der überwachten Maschinen an. Diese können in Perlen oder in Altdorf stehen. Oder es handelt sich um eine defekte Lüftungsmaschine im Gotthard- oder Seelisbergtunnel.

Wie Röntgenbilder

«Die Sensorenmeldungen zu lesen, ist vergleichbar mit der Interpretation von Röntgenbildern. Das geübte Auge er- kennt schnell, wo der Hund begraben ist», sagt MONTALPINA-Chef Urs Stalder (48). Fünfzig Kunden lassen ihre Maschinen heute von MONTALPINA im Krienser Schlund überwachen. Unter ihnen die Papierfabrik Perlen, die Kehrichtverbrennungsanlage Ibach, die Ruag Altdorf oder das für den Gotthard- und den Seelisbergtunnel zuständige Bundesamt. Im modernen Maschinenpark der Papierfabrik Perlen sind 365 Sensoren online angebracht. Bei der Kehrichtverbrennungsanlage Ibach kommt die Überwachung ohne Sensoren aus, die MONTALPINA-Mitarbeiter gehen regelmässig mit Messgeräten vorbei und prüfen die Maschinen.

Rechtzeitig Abnutzungen erkennen

Dass eine Maschine der MONTALPINA- Kunden ausfällt und in Kriens deshalb Alarmstimmung herrscht, kommt zwar vor, ist aber nicht an der Tagesordnung. «Viel wichtiger ist, Abnutzungen von Maschinenteilen rechtzeitig zu erkennen und den Betreibern zu melden. So kommt es gar nicht erst zum Stillstand», sagt Stalder. «Für die Unternehmen ist es wichtig zu wissen, was mit ihren Maschinen geht. Schliesslich haben sie viel Geld dafür investiert, und wenn sie ausfallen, ziehen Reparatur und Produktionsausfall beträchtliche Summen an Mehraufwand nach sich.» Die Maschinenüberwachung ist für die Kunden mit erheblichen Kosten verbunden: Kontrollgänge mit Messgeräten wie bei der Kehrichtverbrennungsanlage Ibach schlagen mit 3000 bis 4000 Franken zu Buche. Die Installation der Schwingmesstechnik wie bei der Papierfabrik Perlen kostet – die Onlineüberwachung mitgerechnet – mehrere hunderttausend Franken. Das ist kein Pappenstiel. Urs Stalder und die Betreiber sind jedoch nicht nur wegen der Vermeidung von Produktionsausfällen der Überzeugung, dass sich diese Investition lohne.

Produktionspausen erübrigen sich

Weil die Maschinen unter Dauerbeobachtung stehen, werden sie auch gezielt gewartet. Dadurch erübrigt es sich, für die Instandhaltung längere Produktionspausen einzulegen. «Es kommt auch gar nicht erst zur unerfreulichen Situation, dass eine Maschine ausfällt und die Mitarbeiter Überstunden schieben müssen», sagt Stalder. Der Service erlaube eine Effizienzsteigerung und biete mit Blick auf die Mitbewerber einen Konkurrenzvorteil. Die Kunden seien zudem in der Lage, auf das Wissen der Montalpina zurückzugreifen. Denn die Mechaniker mit Zusatzausbildungen kennen die von ihnen überwachten Maschinen sehr gut, sie werden darum oft beigezogen, wenn es Schwierigkeiten gibt.

«Mir wurde nach der Geschäftsübernahme bald einmal klar, dass es heute nicht mehr reicht, unseren Industriekunden nur Produkte zu liefern», erklärt Stalder. Weil sein Team sehr technik- interessiert sei, habe man sich für das zusätzliche Geschäft mit der Maschinenüberwachung entschieden. «Mit ihr kamen wir zu einem Alleinstellungsmerkmal», sagt der MONTALPINA-Chef.

Dritte Generation führt Betrieb

Eigentlich übernahm er vor 21 Jahren in dritter Generation ein Handelsunternehmen für Wälzlager, Antriebstechnik und Dichtungen. Diese Produkte werden hauptsächlich in der Maschinenindus- trie und im Gewerbe gebraucht. Das angestammte Geschäft macht heute nach wie vor den Löwenanteil am Umsatz aus. Dort sind 15 der gesamthaft 18 Mitarbeitenden der MONTALPINA beschäftigt. Kürzlich schaute der schwedische Botschafter im Krienser Betriebsgebäude vorbei, als er im Kanton Luzern offiziell zu Besuch war. Der Grund für die Aufwartung: MONTALPINA pflegt seit Jahrzehnten enge geschäftliche Beziehungen mit einem Kugellager-Hersteller im skandinavischen Land. Hinter dem Aufbau des zweiten Standbeins mit der Maschinenüberwachung steckt auch eine strategische Überlegung. «Der Industriesektor wächst in der Schweiz nicht mehr. Das spüren wir im Handelsgeschäft. Doch wir sind überzeugt: Unser neues Geschäftsfeld bietet sehr viel Potenzial.»

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